Der Fahnenjunker der OG des KAB Eberndorf Kühnsdorf ist uns in die ewige Heimat voraus gegangen


Ein treues Kärntner Herz hat uns verlassen.

Ihre Liebe zur Heimat soll unser Auftrag sein!

Maria Leitgeb, geborene Smretschnig, wurde am 10. August 1927 in Kleindorf 20, bei Globasnitz, geboren. Am selben Tag noch wurde sie getauft. Sie besuchte die Volksschule in Globasnitz, und die „Hauptschule“ in Bleiburg, danach die Hauswirtschaftslehre unter der Leitung von Frau Kühnke. In Eberndorf verbrachte sie 4 Jahre bei Familie Kummer, wo sie als Haushälterin tätig war.

Ihre Kindheit und Jugendzeit verbrachte sie in Wackendorf. Mit 10 Jahren, vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, kam sie nach Deutschland auf Erholung. Von dieser Zeit berichtete sie immer gern, weil sie zum 1. Mal mit dem Zug gefahren ist und von Leuten aufgenommen wurde, die einen Kaufmannsladen besaßen. Dort ging es ihr sehr gut und sie hätte dort eine Ausbildung als Verkäuferin machen können. Die Kaufmannsladenbesitzer hatten sie sehr gerne, und nannten sie „Mariechen“. Sie hätte dort bleiben können, doch da ihre Mutter krank wurde, kam sie wieder nachhause nach Kärnten.

Die Zeit danach in Wackendorf war sehr hart, denn im Jahre 1945, als die Partisaneneinheiten brutal wüteten, musste sie zusehen, wie Herr Kühnke vor ihren Augen von Partisanen erschossen wurde und danach noch brutal zugerichtet. Dabei erlitt ihre Schwester Sophie einen Oberschenkeldurchschuss. Ein Leben lang erzählte sie ihren Kindern und Enkelkindern immer wieder von diesen Geschehnissen und sie wurde das Trauma bis zuletzt nie los. Mit 18 Jahren brachte sie alleine ihren Neffen mit dem Zug nach Ungarn zu seinen Eltern, und ihr Leib und Leben war in Gefahr.

Beim Gutsgasthof Kraut in Feistritz ob Bleiburg arbeitete sie als Köchin und Stubenmädchen und lernte dort ihren künftigen Mann August kennen, den sie am 17. Oktober 1954 in St. Michael heiratete. „Ober der Säge“ neben Kraut lebte sie mit ihrem Mann und gebar dort Walter, den 1. Sohn und Erika, die 1. Tochter. Sie zogen dann zum „Gregorn“ (Feistritz), wo noch 4 weitere Kinder geboren wurden, Karl, Maria, Elisabeth und Monika. Noch mit 5 Kindern arbeitete sie durchwegs beim Kraut. Ihre Mutter unterstützte sie dabei.

Im Jahre 1963 begannen sie mit dem Hausbau in Penk und zogen 1964 dort ein. Ohne Rast und Ruh arbeitete Maria Leitgeb von früh bis spät mit voller Energie und Freude am Bau, trotz der großen Strapazen, mit 6 Kindern. In diesem Haus kam dann Valentin zur Welt und drei Jahre später wurde der Jüngste im LKH Klagenfurt geboren, Robert. Davon berichtete sie auch immer mit Freude, weil es ihr dort gut ging.

Um die große Familie versorgen zu können, wurden die Wiesen und Felder bewirtschaftet, alles noch händisch. Maria und August verzichteten auf alles, Urlaub kannten sie nicht, weil es ihnen wichtig war, eine so große Familie besser selbst versorgen zu können, weshalb sie einen Acker und Wald kauften.  

Ihre Kinder hat Maria sehr gut erzogen und sie halfen später, als sie größer waren, fleißig mit. Stets war sie bemüht, sich um das schulische und weitere Fortkommen aller Kinder zu kümmern. Ihre größte Freude war es immer, wenn sie Positives erfuhr und sie gelobt wurde. Sie hatte nur eines im Sinn: „Aus jedem soll was werden“, sagte sie immer. Und das wurde es auch, somit war ihr 1. großes Lebensziel erreicht. Stolz war sie immer auf alle Kinder und liebte es, die Jugend um sich zu haben, Enkel und Urenkel.

Maria pflegte ihre Mutter, die mit der Familie in Penk wohnte, bis zum Tode, nachdem sie einen Schlaganfall erlitt. Ihre Mutter starb 1984.

Während ihres Lebens hatte sie selbst mehrere Operationen, ob es der Trommelfelldurchbruch war, und ihr Hören auf einem Ohr eingeschränkt. ein Nierentumor, der entfernt wurde, Magen- und Darmgeschwüre, Blasencarcinom, Rheuma, mit vielen Schmerzen. Doch sie ließ es sich nie anmerken und richtig gejammert hat sie nie. Sie sagte manchmal nur lächelnd: „Da Reimatismus tuat mi heit wieder ärgern“, auch zu anderen immer in lustiger Weise, obwohl sie selbst Schmerzen hatte: „Tua nit jammern, es ist nichts“

 

Maria lebte sehr gerne, die Pünktlichkeit war ihr wichtig, war gerne in Gesellschaft und lustig, tanzte auch sehr gerne, sogar noch bei ihrem 90iger. Sie war eine sehr ehrliche und starke Persönlichkeit. Sie war immer neugierig, was es Neues gibt, auch ließ sie sich gerne alles von den Kindern und Enkelkindern erzählen. Mit über 80 Jahren wagte sie sich noch an die neue Technik eines Handys und man durfte ihr alles erklären, sie wollte mit der Zeit mit gehen und „up to date“ sein, wie man so schön sagt. Nicht abhängig sein, wenn sie abgeholt werden wollte mit dem PKW von eines ihrer Kinder, wenn sie unterwegs auf einem Ausflug war und so das Handy nutzte.

Sie wünschte sich ein Leben lang alt zu werden. Sie liebte die Natur, ihre Familie, ihre Tradition, ihre Kultur.

 

Sie war von Anfang an bis zu ihrem Tod bei der Jauntaler Trachtengruppe, wo sie mit Stolz bei vielen Auftritten ihre Tracht präsentierte. Seit der Gründung der Ortsgruppe Feistritz/Globasnitz des Kärntner Abwehrkämpferbundes übernahm sie das Amt der Fahnenmutter bis zu ihrem Tode.

Sie war immer sehr stolz auf ihre Heimat und hat sich in keiner schwierigen Lebenslage unterkriegen lassen. Vor allem auch nicht, als ihr Ehemann am 1. Dez. 1988 plötzlich und unerwartet, viel zu früh, im 59. Lebensjahr, an Herzversagen verstarb.

 

Wenn die Kinder einen runden überraschenden Geburtstag für Maria planten, war sie der glücklichste Mensch, sie wollte immer alle um sich haben. Und je mehr Rummel und Gaude, desto wohler fühlte sie sich. Am liebsten hatte sie, wenn sich an bestimmten wichtigen Tagen im Jahr, wie Weihnachten, Ostern, Geburtstag, Allerheiligen alle um sie scharten, und sie wurde nicht müde, sie zu verköstigen.

Sie liebte es, mit dem Seniorenring in Völkermarkt zu feiern, wenn ein Treffen war, berichtete auch immer stolz: „Heut gibt es eine Fahrt ins Blaue“, wenn eine Busfahrt geplant war.

In der Gesellschaft wurde sie von allen geliebt, ob jung oder alt, weil sie ein lebensfroher und geselliger Mensch war. Was sie beinahe jedes Jahr besuchte, war der Bleiburger Wiesenmarkt, ob früher schon mit ihrem Mann, wenn sie am Sonntag mit dem Moped zum Frühschoppen fuhren oder später dann in der Funktion als Trachtenvereinsmitglied.

Sie war immer bescheiden, viel brauchte sie nie und war glücklich mit kleinsten Geschenken.

Noch im reiferen Alter zwischen 85 und 90 Jahren war sie jeden Tag mit ihrem Rollator unterwegs, das Wetter war ihr egal. Sie wollte sich lange fit halten und unabhängig sein. Aber eines wünschte sie sich schon: „Ich habe meine Mutter gepflegt, ihr werdet mich wohl auch zu Hause pflegen“, sagte sie ab und zu.

 

Mit 90 Jahren war sie frisch auf und fröhlich und von halb 5 Uhr früh bis Mitternacht in guter Laune und glücklich viele Besuche zu bekommen und wollte keine Pause, um sich zwischendurch ein wenig zu erholen. Sie sagte an diesem Tag, als man sie daran erinnerte, sich doch etwas auszuruhen: „Nein, ich bin nicht müde, dies ist der schönste Tag meines Lebens. Und so sollte es auch sein. 

Als sie dann mit 91 Jahren im Dez. ins Krankenhaus kam, dort 3 Operationen über sich ergehen lassen musste, war nichts mehr wie es war. Als sie nachhause kam, musste sie gepflegt werden. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass sie zu Hause gepflegt wurde, zuletzt von Pflegehelferin Rodica, die sehr fürsorglich mit ihr umging.

Seit Ostern dieses Jahres ging es wieder bergauf, sie konnte gehen, wollte sich immer bewegen. Erika, Elisabeth, Gabi, Robert, Rodica, des öfteren fuhr man mit ihr mit dem Rollstuhl die Runden und sie war glücklich in der freien Natur sein zu können und die schönen Blumen zu sehen.

Wer sie aber ein Lebenlang versorgt und umsorgt hat, war Elisabeth, eine ihrer Töchter. All die Jahre kümmerte sie sich um die medizinischen Belange um die Arztbesuche und Termine. Sie war immer für sie da und war auch in letzter Minute bei ihr, als sie am Freitag, dem 21. Juni 2019, friedlich eingeschlafen und von immer von uns gegangen ist. Ihr Sohn Valentin war im Hause und rund ums Haus immer für sie da.

 

Sie war eine Kämpferin, wie es nur selten jemand sein kann, eine Frohnatur, eine sehr fleißige, aber auch selbstbewusste starke Frau.

Sie wird uns in ewiger Erinnerung bleiben. Wir werden sie niemals vergessen. Wir sind stolz, so eine ausgezeichnete, liebenswürdige, starke und gute Mutter an unserer Seite gehabt zu haben, sie so lange unser Leben begleiten durfte. Lebe wohl, liebe Mami!

 

Ein Interview von der Leitgeb Omi als Zeitzeugin, aufgenommen von Dr. Rulitz, Historiker